Dreidimensionale Projekte der Designerin Martina Büttner: Räume, Formen und Installationen.
Ich arbeite auf vielfältigen Anwendungsgebieten und mit unterschiedlichsten Materialien. Ob es darum geht, das Niemandsland eines Kreisverkehrs mit Riesenmohnblumen aus Spinnaker Schikarex neu zu definieren, mit Kindern ganz zarte und echt wirkende Barockkostüme aus Acrylpapier herzustellen oder einen Erlebnisraum mittels Installation, Projektion und Ton zu gestalten: jedes Projekt basiert auf einer klaren, entschlossenen Idee und einem stringentem Prozess, um zu dem Ziel zu gelangen, den Benutzer mit der Behauptung, der Fiktion, der Vision zu überzeugen.
Vision einer kleinen Weltgeschichte
„Stadt Land Fluss“, Installation, Centre d’Art d’Antony, Frankreich, 2009
Das Buch „Eine kurze Geschichte der Zukunft“ des französischen Autoren Jacques Attali behandelt im ersten Teil die Geschichte von Mensch und Kapitalismus, im Mittelalter startend bis zur Jetztzeit. Attali beschreibt, an welchen Orten das jeweilige Weltzentrum zu welcher Zeit angesiedelt war und welche ökonomischen Ereignisse, Erfindungen und Errungenschaften diese Orte dazu bestimmt haben, die zentralste Rolle zu spielen: wie Venedig mit der Erfindung des mehrmastigen Segelschiffs, Antwerpen durch die Druckkunst, Genua durch das Bankwesen oder Los Angeles aufgrund des Mikrochips.
Das Buch hat mich dazu angeregt, diese Geschichte für das Centre D’Art Contemporain d’Antony mit gebrauchten, z.T. gefundenen Gegenständen und Spielzeugen in Form einer Weltkarte in einem Sandkasten nachzubauen. Menschliches Wirren und Irren, und auch Erfinden, werden auf spielerische Weise in diesem kindlichen Raum angesiedelt und erhalten eine neue Bedeutung.
Vertrautes verpackt
„Schwanensee“, Skulptur-Installation, 2010
Auf der Straße verlassene, nicht mehr funktionstüchtige Staubsauger werden mit Gips verbunden und erwachen zu einer neuen Existenz als gestaltetes Objekt neben anderen, in einer Installation. Hinter der weißen Gipsverkleidung verblasst das Objekt / die Funktion des Staubsaugers in der Erinnerung. Dagegen treten die lange, weißen Hälse markant hervor, wie sie so charakteristisch für Schwäne sind und bestimmen nun das sich darbietende Bild. Und fertig ist der Schwanensee, ein anderer Tanz der Objekte in einem neuen Gewand.
Barocke Fiktionen
„Ludovise – la duchesse du Maine“, Kostüme für ein Videoprojekt mit Kindern, Musée vert du Château de Sceaux, 2004
Wie fertigt man 120 Kostüme für Kinder von 5 -13 Jahren in 160 Workshopstunden an? Neben einem tollen Team und vielen kleinen Costumiers, braucht es eine solide Planung, präzise Vorbereitung, gute Nerven und allem voran ungewöhnliche Ideen. Das Video „Ludovise – Duchesse du Maine“ entstand 2004 in Zusammenarbeit mit 40 Schulklassen, von der Vorschule bis zur 7. Klasse. Auf der Basis meiner Entwürfe wurden für 300 Schauspieler über 100 Kostüme (manchmal das Gleiche in 4 verschiedenen Größen), Accessoires und Perücken angefertigt. Nach „Lego“-Bausplänen wurde aus handbemaltem Tyvek zugeschnitten und getackert, um ganz echt wirkende barocke Silhouetten entstehen zu lassen. Auf ähnliche ungewöhnliche Weise entstanden Perücken, Kopfschmuck und anderes Zubehör. 300 Schüler aus Pariser Vororten, ebenfalls im Alter von 5 – 13 haben mitgemacht und diese Vision Realität werden lassen.